Aufbau- und Aufsichtshelfer Kevin Bekaan blickt zurück auf die World Press Photo-Ausstellung 2017

Ein zufällig entdeckter Facebook-Aufruf, in dem Helfer für die World Press Photo-Ausstellung in Oldenburg gesucht wurden, erwies sich für mich als Beginn einer wertvollen persönlichen Erfahrung. Ich hatte vorher noch nie von der Ausstellung gehört, aber nach kurzer Recherche entwickelte ich Interesse dafür. Ich bewarb mich und erhielt die Zusage für einen Job im Aufbau sowie bei der Aufsicht.

Nach einem kurzen Treffen mit dem Team des Veranstalters Mediavanti und einigen Schlossmitarbeitern ging es am 14. Februar 2018 mit dem Aufbau los. In Zweierteams wurden die Bilder gemäß den Vorstellungen der Kuratorinnen aus Amsterdam mit Fleiß an die Wand gebracht. Nach dem Feinschliff hingen am Freitag um 13 Uhr dann endlich alle Bilder – pünktlich zur Vernissage mit Francis Pérez, der den ersten Platz der Einzelbilder in der Kategorie Natur belegte und uns mit seinem Foto von der Unechten Karettschildkröte das perfekte Plakatmotiv geliefert hatte.

In den kommenden 17 Tagen arbeitete ich abwechselnd an der Garderobe und am Infotisch. Das Schloss als repräsentativer Ausstellungsort erzielte eine eindrucksvolle Wirkung auf mich. Die ausgestellten Bilder veranlassten mich dazu, mich näher mit den dort verarbeiteten Themen auseinanderzusetzen und mich zusätzlich anhand der Infotafeln zu informieren. Ab und zu entwickelten sich auch interessante Gespräche mit den Besuchern oder Mitarbeitern. Dadurch lernte ich neue Perspektiven kennen, die ich zwar nicht unbedingt immer teilte, aber die definitiv meinen Horizont erweiterten. Die Ausstellung führte zu erkenntnisreichen Diskussionen unter den Besuchern – eine Tatsache, die die Ausstellung gesellschaftlich besonders relevant macht.

Durch die World Press Photos wird man außerdem mit Themen konfrontiert, von denen man vielleicht vorher gar nichts mitbekommen hat. So ist es bei mir mit den Ölpipelines, die durch die Dakota Access Pipeline (DAPL) in den Indianerreservaten des Standing Rock Stamms installiert werden sollen. Die kanadische Fotografin Amber Bracken belegte damit den ersten Platz der Fotoserien in der Kategorie „Aktuelle Themen“. Auf einem der Bilder steht eine Person in einer Schneelandschaft und hält protestierend eine Fahne der Mohawk-Kriegerschaft in die Luft. Direkt darüber weht eine USA-Flagge. Das Bild wirkt auf mich wegen des Schneetreibens sehr bedrückend. Dass im Mittelpunkt des Fotos nur eine Einzelperson steht, verstärkt dieses Gefühl zusätzlich.

„Durch die World Press Photos wird man mit Themen konfrontiert, von denen man vielleicht vorher gar nichts mitbekommen hat.“

Mein persönlicher Favorit der diesjährigen Ausstellung ist ein Foto aus der Kuba-Serie zum Tod Fidel Castros. Der Chilene Tomás Munita erhielt dafür den ersten Platz in der Kategorie „Alltagsleben“. Das Foto zeigt einen Raum mit sehr maroden Mauern. Stromkabel wurden eher laienhaft daran befestigt. Im Zentrum stehen ein alter Hocker mit einem heruntergekommenen Ventilator und ein Fernsehtisch mit Boxen, Fernseher und Spielekonsole. Die Technik lässt erst einen Gegensatz zur Umgebung zwischen moderner Technik und veralteter Umgebung vermuten. Allerdings sieht man auf dem Fernsehtisch lediglich einen alten Röhrenfernseher und eine PlayStation 2, die seit 2000 verkauft wurde. Insofern passt die Technik des Bildes zu dem Zustand der Wände. Ich kann gar nicht genau beschreiben, weshalb mich das Bild so anspricht. Vermutlich liegt es daran, dass es mich an Steampunk erinnert; eine Kunstform, die Mechanik mit der charmanten Ästhetik des viktorianischen Zeitalters verknüpft.

All diese Eindrücke, die Gespräche mit Besuchern, Angestellten des Schlosses und Arbeitskollegen und der Blick hinter die Kulissen sorgen dafür, dass die World Press Photo-Ausstellung für mich etwas ganz Besonderes wurde. In den vergangenen Wochen habe ich neue Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte, und ich freue mich deshalb schon jetzt auf die Ausstellung im nächsten Jahr.